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Von 1950 bis 1978 hielten vor allem familienpolitische Maßnahmen, wie zum Beispiel das Erziehungsgeld, die Familienversicherung und das Ehegattensplitting, die Anzahl vollzogener Scheidungen auf einem niedrigen Niveau. Hinzu kamen die angespannte Arbeitsmarktlage ab Mitte der 1970er-Jahre und die finanzielle Abhängigkeit der Ehefrauen von ihren Männern, die in der Regel dem temporären oder endgültigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben zugunsten der Kinderbetreuung geschuldet war. Infolge der Erholung des Arbeitsmarktes ab 1977 stieg die Zahl der Scheidungen im Jahr 1979, nachdem es in den beiden Vorjahren zu beträchtlichen Rückgängen gekommen war, um 144,9 % auf 79.490 an. Diese signifikante Zunahme lag auch in der Verabschiedung des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts im Juni 1976 begründet, welches das Ehe-, Scheidungs- und Scheidungsverfahrensrecht grundlegend neu regelte. Die Reform bewirkte die Aufhebung des sogenannten Verschuldensprinzips, das die Auflösung von Ehen gegen den Willen des nicht schuldigen Partners unterband. Im Trend sinkt die Zahl der Scheidungen seit 2003. Ein Grund hierfür ist ein Rückgang der Eheschließungen. Werden weniger Ehen geschlossen, sinkt auch das Potenzial für spätere Scheidungen.Während im Jahr 2024 die Stabilität der Ehen insbesondere im ersten beiden Ehejahre sowie zwischen dem 16. und 25. Ehejahr hoch war, wiesen Ehen zwischen dem dritten und 15. sowie ab dem 26. Ehejahr ein erhöhtes Scheidungsrisiko auf. Auf der Basis von Daten über die Anzahl gemeinsamer Kinder wird vermutet, dass Ehefrauen aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine Scheidung aufschieben, bis die gemeinsamen minderjährigen Kinder ein gewisses Alter erreicht haben. Der mit 49,2 % hohe Anteil der Scheidungen von Eheleuten ohne gemeinsame minderjährige Kinder an den gesamten Ehescheidungen im Jahr 2024 bestätigt diese Annahme. Auf Ehepartner mit einem, zwei oder mehr als zwei gemeinsamen minderjährigen Kindern entfielen Anteile von 24,4 %, 20,3 % bzw. 6,1 % an der Zahl der Scheidungen. Dieser Befund deutet ebenfalls auf die negative Korrelation von gemeinsamen minderjährigen Kindern und Scheidungshäufigkeit hin.
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1950-2031
Ehescheidungen, das heißt die rechtskräftige Auflösung von Ehen, erfolgten in Deutschland bis einschließlich Juni 1977 nach dem Ehegesetz (Gesetz Nr. 16 des Kontrollrates) vom 20. Februar 1946 und ab Juli 1977 nach dem Ersten Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts vom 14. Juni 1976.Die ausgewiesenen Werte, einschließlich der Prognose, basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes und IBISWorld Berechnungen und geben die jährliche Gesamtzahl der nach deutschem Recht erfolgten Ehescheidungen an. Stichtag ist dabei der 31. Dezember des jeweiligen Jahres. Zahlen aus der Zeit bis 1990 beziehen sich auf die in den alten Bundesländern vollzogenen Ehescheidungen. Im Jahr 2009 dürfte es infolge rechtlicher und technischer Umstellungen in rund 1.900 Fällen zu einer Untererfassung gekommen sein.
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