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  1. Analyst Insights

Aktiv oder passiv: Der Investment-Showdown

Aktiv oder passiv: Der Investment-Showdown

Written by

Joseph Maher

Joseph Maher
Sr. Research Analyst Published 10 Feb 2026 Read time: 6

Published on

10 Feb 2026

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6 minutes

Key Takeaways

  • Viele aktive Manager tun sich schwer, ihre höheren Gebühren zu rechtfertigen, da zahlreiche Auswertungen zeigen, dass sie in den vergangenen Jahren weltweit mehrheitlich nicht in der Lage waren, breite Marktindizes zu übertreffen.
  • Passives Investieren hat durch börsengehandelte Fonds (ETFs) einen tiefgreifenden Wandel erfahren, da sie Anlegern einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu den Märkten mit deutlich mehr Flexibilität und Auswahl als früher ermöglichen.
  • Auch wenn passive Fonds in den vergangenen Jahren häufig die Nase vorn hatten, gewinnen aktive Strategien über aktiv gemanagte ETFs neuen Auftrieb, da sie professionelles Management mit den niedrigen Kosten, der Flexibilität und der Zugänglichkeit verbinden, die Anleger heute erwarten.

Der Konflikt zwischen passivem und aktivem Investieren beschäftigt Anleger seit Jahrzehnten und prägt bis heute Anlageentscheidungen, Gebührendebatten und die Sicht auf die Märkte. Mit dem Wandel der Märkte verschiebt sich auch das Verhältnis zwischen den beiden Ansätzen und beeinflusst, wie Anleger versuchen, Renditen zu erzielen.

Zur Einordnung: Beim passiven Investieren geht es darum, die Entwicklung eines Gesamtmarkts möglichst genau nachzubilden, etwa mit kostengünstigen Indexfonds, die einen Index wie den S&P 500 oder den FTSE 100 verfolgen. Beim aktiven Investieren dagegen ist das Ziel, den Markt durch die gezielte Auswahl einzelner Aktien zu schlagen.

Die Geschichte des aktiven und passiven Investierens

Lange Zeit galt aktives Investieren als der vernünftige Ansatz. Die gezielte Auswahl einzelner Aktien, das Timing des Marktes und das Übertreffen von Vergleichsindizes bildeten den Kern professioneller Geldanlagestrategien. Lieferten ihre Portfolios ansehnliche Renditen, gratulierten sich Manager weltweit selbst und gaben ihren Kunden zu verstehen, dass solche Ergebnisse ausschließlich ihrer eigenen Genialität zu verdanken seien. Entsprechend ließen sie sich diese Leistung mit hohen Gebühren bezahlen.

Passives Investieren galt dagegen lange als naiv und langweilig. Als John Bogle 1975 den ersten S&P-500-Indexfonds auflegte, spotteten viele Branchenvertreter und sprachen von „Bogles Torheit“. Warum sich mit durchschnittlichen Renditen zufriedengeben, wenn fähige Manager den Markt schlagen können? Passives Investieren wurde als Verrat an den eigenen Ansprüchen abgetan oder, noch schlimmer, als Eingeständnis der Niederlage im Spiel der Stockpicker – eine kaum zu ertragende Schmach für die Finanzelite an der Wall Street.

Und doch hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass John Bogle seiner Zeit voraus war – so sehr, dass manche bereits prophezeiten, aktives Management werde bald der Vergangenheit angehören. Das im Vereinigten Königreich verwaltete Vermögen stieg von 2,8 Billionen Pfund im Jahr 2005, als rund 20 % der Anlagen passiv verwaltet wurden, auf 9 Billionen Pfund im Jahr 2023, bei einem passiv verwalteten Anteil von 33 %. Dieser Trend spiegelt einen weltweiten Popularitätsschub für passives Investieren wider – bis hin zur Vorstellung, diese Strategie könnte das aktive Investieren vollständig verdrängen.

Anleger schätzen vor allem die niedrigen Kosten passiver Anlagen. So bot Vanguard 2025 im Schnitt die günstigsten passiven Fondsgebühren von 0,14 %, während Swedbank auf der aktiven Seite mit durchschnittlich 0,83 % an der Spitze lag. Dieser Unterschied macht deutlich, wie wichtig es für aktive Strategien ist, ausreichend hohe Renditen zu erzielen, um die höheren Gebühren zu rechtfertigen – was ihnen in der Breite jedoch nicht gelungen ist. In den vergangenen zehn Jahren hat nur rund ein Viertel (24 %) der aktiven Fonds eine vergleichbare passive Alternative geschlagen, während es im Jahr 2025 bis zum 30. November lediglich 29 % waren.

Anteil aktiver Manager, die passive Alternativen übertreffen

Warum aktive Manager ins Hintertreffen geraten

Kurz gesagt: wegen der „Magnificent Seven“, also Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Apple, Nvidia, Microsoft und Tesla. Diese Technologiewerte waren zuletzt die Kurstreiber der Aktienmärkte und haben vom Hype rund um generative KI besonders profitiert. Nvidia allein war für etwa 20 % des Anstiegs des S&P 500 im Jahr 2024 verantwortlich. In durchschnittlichen S&P‑500‑Indexfonds entfielen rund 28 % der Marktkapitalisierung auf diese sieben Technologieriesen. Aktive Manager dagegen setzen nur selten so stark auf eine Handvoll Titel, entsprechend müssten die übrigen Positionen im Portfolio die Renditelücke schließen – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.

Die Einführung von börsengehandelten Fonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) hat das passive Investieren ebenfalls grundlegend verändert. Sie bieten Anlegern eine kostengünstige, leicht zugängliche und liquide Möglichkeit, in ganze Märkte zu investieren, und befeuern so das starke Wachstum passiver Strategien. ETFs sind Investmentfonds, die einen Korb von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffen halten und wie einzelne Aktien an der Börse gehandelt werden. In der Regel folgen sie einem Marktindex wie dem FTSE 100, können aber auch gezielt bestimmte Sektoren oder Anlagethemen abdecken, wodurch sie den Trend hin zum passiven Investieren weiter verstärken.

Ein Großteil der Nachfrage nach ETFs kommt inzwischen von jüngeren Anlegern. Laut einer Studie der Investment Association (IA) sind mehr als zwei von fünf (41 %) ETF-Investoren zwischen 18 und 34 Jahre alt. 46 % der Befragten gaben an, vor allem wegen der niedrigen Gebühren und der Kosteneffizienz in ETFs zu investieren – ein Bereich, in dem aktive Fonds nur schwer mithalten können. Selbst Warren Buffett, der sein Vermögen mit aktivem Investieren aufgebaut hat, spricht sich seit Jahren dafür aus, dass die meisten Privatanleger mit passiven, kostengünstigen Indexfonds besser fahren, weil diese häufig besser abschneiden als aktive Manager.

Eine aktive Herangehensweise an passive Anlagen

In den kommenden Jahren dürften passive Anlagestrategien weiter an Bedeutung gewinnen und verstärkt Kapital von Anlegern anziehen, die nach Diversifikation und niedrigen Gebühren suchen. Gleichzeitig ist es jedoch unwahrscheinlich, dass sich die von manchen Finanzgurus vor wenigen Jahren noch ausgerufene vollständige Ablösung aktiver Strategien tatsächlich bewahrheitet. Der große Lagerkampf „aktiv gegen passiv“ wirkt zunehmend wie ein Thema von gestern. An seine Stelle tritt mehr und mehr ein aktiver Umgang mit passiven Anlagen.

So ist in den vergangenen Jahren die Zahl passiver Fonds stark gestiegen, die nicht mehr nur breite Marktindizes abbilden, sondern gezielt bestimmte Themen, Faktoren, Regionen oder andere Nischen ins Visier nehmen. Besonders groß ist die Nachfrage derzeit nach KI-orientierten ETFs, da sich Kursgewinne inzwischen zunehmend über die bisherigen Schwergewichte wie Microsoft und Nvidia hinaus ausbreiten. Auch wenn diese Fonds passiv konstruiert sind, erfordert ihre Auswahl und Kombination zu einem Portfolio aktive Entscheidungen.

Der ETF‑Markt spiegelt inzwischen auch ein Comeback der aktiven Verwaltung wider. Noch vor einigen Jahren konnte man bei der Frage, ob jemand ETFs im Portfolio einsetzt, mit recht großer Sicherheit davon ausgehen, dass damit passive, indexnachbildende Strategien gemeint sind. Heute verwenden Anleger ETFs vielmehr als Hülle, die sowohl passive als auch aktive Strategien enthalten kann.

Obwohl passive ETFs weiterhin den Markt dominieren, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis aktive Strategien wirklich Fuß fassen. In den USA ist der Markt für aktive ETFs bereits deutlich weiter entwickelt, doch auch in Europa gewinnt dieser Bereich spürbar an Dynamik. Laut einer Umfrage planten 94 % der europäischen Vermögensverwalter, ihre Nutzung aktiver ETFs im Jahr 2025 auszubauen. Zudem sind laut Daten von JustETF derzeit 179 aktiv verwaltete ETFs an der Londoner Börse verfügbar, bei insgesamt rund 2.300 gelisteten ETFs. Das bedeutet, dass etwa 8 % der in London notierten ETFs aktiv gemanagt werden.

Final Word

Die Entwicklung in der Investmentwelt ist weniger eine Ablösung als eine Neujustierung. Aktive und passive Ansätze rücken nach Jahren des Gegeneinanders näher zusammen und werden zunehmend komplementär gedacht. So entsteht ein balancierter Ansatz, der die analytische Tiefe aktiver Strategien mit der Effizienz und Verlässlichkeit passiver Instrumente verbindet und damit praktikable, nachhaltige Ergebnisse ermöglicht.

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