Germany / Coronavirus Insights
COVID-19 und der Einzelhandel

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by Melanie Katz
Apr 16 2020

Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auf den Einzelhandel

Nachdem seit Mitte März lediglich Supermärkte, Discounter, Lebensmitteleinzelhändler, Apotheken und Baumärkte geöffnet waren, hat die Bundesregierung am 15. April bekanntgegeben, dass ab dem 20. April schrittweise die Öffnung von Schulen und Geschäften beginnt. Die Schließung der Geschäfte in den vergangenen Wochen hat den Einzelhandel vor große finanzielle Herausforderungen gestellt. Besonders kleine und mittlere Betriebe in urbanen Zentren litten darunter, da die Mieten gerade für Verkaufsräume in Innenstädten sehr hoch sind.

Aktuelle Lage

Ab dem 20. April dürfen zunächst nur Geschäfte mit einer maximalen Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern, unter der Auflage, Hygienevorgaben einzuhalten und die Anzahl der sich im Laden befindenden Kunden zu kontrollieren, geöffnet werden. Unabhängig von der Größe dürfen zudem Buchhandlungen sowie Kfz- und Fahrradhändler (IBISWorld Branchenreporte G47.61DE, G45.11DE, G47.64DE) wieder öffnen. Gleichzeitig werden die Bürger dazu angehalten, beim Einkaufen Schutzmasken zu tragen, eine Maskenpflicht besteht allerdings nicht. Für größere Bekleidungsgeschäfte, Kaufhäuser und andere Händler aus dem Nonfood-Bereich (IBISWorld Branchenreporte G47.71DE, G47.19DE) mit einer Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern gelten diese Lockerungen bisher allerdings nicht. Während die Nachfrage und damit auch die Umsätze des Nicht-Lebensmittelhandels, der normalerweise täglich einen Umsatz von 1,15 Milliarden Euro erzielt, bereits seit Februar rückläufig sind, haben insbesondere Hamsterkäufe in Supermärkten, Drogerien und Apotheken (IBISWorld Branchenreporte G47.11DE, G47.75DE, G47.73DE) laut Statistischem Bundesamt im Februar 2020 zu einem realen Umsatzanstieg von 6,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat beigetragen.

Initiativen der Händler

Um ihre Kunden trotz Ladenschließung weiterhin mit Büchern, Sportschuhen und anderen Nonfood-Produkten zu versorgen und damit zumindest einen geringen Umsatz erzielen zu können, haben in den letzten Wochen immer mehr Einzelhändler ihre Online-Präsenz auf- oder ausgebaut. Neben eigenen Online-Shops und Accounts in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram, werden nun auch viele regionale Plattformen und Foren genutzt, um die Verbraucher über das aktuelle Produkt- und Beratungsangebot der Einzelhändler, Dienstleister und Restaurants (IBISWorld Branchenreporte I56.11DE, I56.12DE) zu informieren. Diese Entwicklung dürfte die Digitalisierung (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Digitalisierungsgrad) in Zukunft beschleunigen und zu einem deutlichen Anstieg des Anteils der E-Commerce Umsätze im stationären Einzelhandel führen, der in den meisten Einzelhandelsbereichen bisher eher gering war. Der im Bereich Bekleidung führende Online-Händler Zalando (IBISWorld Branchenreport G47.91DE) bietet stationären Bekleidungseinzelhändlern zudem die Möglichkeit, ihre Waren über die Zalando-Plattform Connected Retail zu vertreiben. Von April bis Mai können neu hinzukommende Händler Connected Retail zudem provisionsfrei nutzen und erhalten wöchentlich ihre Auszahlungen.

 

 

Staatliche Unterstützung

Neben dem Kurzarbeitergeld, das insgesamt bereits von über 725.000 Unternehmen in Deutschland beantragt wurde, stellen die KfW-Schnellkredite für viele Einzelhändler ein wichtiges Mittel dar, um die Wochen des kompletten Umsatzausfalls sowie die folgenden Monate, in denen sich die Umsätze aufgrund der Eintrübung von Geschäfts- und Konsumklimas (IBISWorld Einflussfaktoranalysen Geschäftsklima, Konsumklima) voraussichtlich nur langsam wieder erholen dürften, zu überbrücken. Die KfW-Schnellkredite können von Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten, die mindestens seit dem 1. Januar 2019 aktiv und zum 31. Dezember 2019 nicht in finanzielle Schwierigkeiten waren, in Anspruch genommen werden. Das Kreditvolumen dieser Sofortkredite beträgt bis zu drei Monatsumsätze des Jahresumsatzes 2019, wobei die Obergrenze für Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern bei 800.000 Euro und für Unternehmen mit 50 oder weniger Beschäftigten bei 500.000 Euro liegt. Die Kredite, für welche die Banken eine Haftungsfreistellung von 100 % durch die KfW erhalten und die durch eine Garantie des Bundes abgesichert sind, haben aktuell einen Zinssatz von 3 % und eine Laufzeit von 10 Jahren.

Obwohl die Ladenschließungen der letzten Wochen einige Einzelhändler dazu veranlasst haben, ihre Produkte auch über das Internet zu vertreiben und staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, werden erst die nächsten Wochen zeigen, wie viele der stationären Einzelhändler die Pandemie tatsächlich überstehen. Vor allem das Konsumverhalten der Verbraucher sowie die nächsten Schritte zur Wiedereröffnung der Geschäfte im Handels- und im Dienstleistungssektor werden dafür entscheidend sein. Bereits ab dem 4. Mai werden voraussichtlich weitere Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus erfolgen.

 

In diesem Bericht erwähnte Branchen:

G45.11DE – Handel mit Pkw

G47.11DE – Supermärkte und Discounter

G47.19DE – Kauf- und Warenhäuser

G47.61DE – Einzelhandel mit Büchern

G47.64DE – Einzelhandel mit Fahrrädern, Sport- und Campingartikeln

G47.71DE – Einzelhandel mit Bekleidung

G47.73DE – Apotheken

G47.75DE – Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen und Körperpflegemitteln

G47.91DE- Versand- und Online-Handel

I56.11DE – Restaurants mit herkömmlicher Bedienung

I56.12DE – Restaurants mit Selbstbedienung

 

In diesem Bericht erwähnte Einflussfaktoranalysen:

IBISWorld Einflussfaktoranalyse Digitalisierungsgrad

IBISWorld Einflussfaktoranalyse Geschäftsklima

IBISWorld Einflussfaktoranalyse Konsumklima