Germany / Analyst Insights
Grüne Produktion
by Sarah Goehre
May 06 2019

Wie technologische Innovationen dazu beitragen können, Nachhaltigkeit und Effizienz zu fördern

 

Aufgrund des auf gesellschaftlicher und politischer Ebene gestiegenen Umweltbewusstseins sowie aus Effizienzgründen gewinnen Nachhaltigkeitskriterien im produzierenden Gewerbe seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Im Folgenden werden konkrete Beispiele innovativer Technologien anhand ausgewählter Herstellungsbranchen vorgestellt, die insbesondere die ökologischen Aspekte des Drei-Säulen-Modells der nachhaltigen Entwicklung, auch Triple-Bottom-Line genannt, in den Wertschöpfungsprozess integrieren. Diese modernen Verfahren ermöglichen es, den Anforderungen an eine nachhaltige Produktion gerecht zu werden und die Effizienz der Herstellungsprozesse zu steigern.

 

Die Herstellungsprozesse von Bekleidung, Kosmetikerzeugnissen sowie von Wasch- und Reinigungsmitteln sind hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsaspekte von besonderer Bedeutung, da die Wertschöpfungsketten dieser Branchen, unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten betrachtet, stark umstritten sind. Vor allem der Einsatz von umwelt- und gesundheitsschädigenden Chemikalien ist diesen Herstellungsbranchen gemein, aber auch die schwierigen Arbeitsbedingungen sowie der oft mangelhafte Mitarbeiterschutz stehen in der Kritik.

In der Bekleidungsherstellungsbranche wird zunehmend Wert auf Materialien gelegt, die dem Oeko-Tex® Standard 100 entsprechen oder beispielsweise zu 100 % aus Bio-Baumwolle bestehen. Obwohl Baumwolle nach wie vor die am häufigsten verwendete Textilfaser darstellt, geht der Trend vermehrt zu synthetischen Fasern, die entgegen der herkömmlichen Meinung oftmals weniger stark mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet sind (IBISWorld Branchenreport C14.00DE). Innovative, ökologische Chemiefasern dürften daher in der Bekleidungsherstellung innerhalb der kommenden fünf Jahre immer häufiger Verwendung finden. Beispiele für solche Kunstfasern sind die aus Zellulose gewonnenen, seidenähnlichen Textilfasern Lyocell und Modal, die von der Lenzing AG  unter den geschützten Markennamen Tencel® bzw. Modal® vertrieben werden, die aus Algen hergestellte SeaCellTM -Funktionsfaser der Smartfiber AG  sowie die Biopolymerfaser Qmilk®. Für Letztere wird mittels weißer, das heißt industrieller, Biotechnologie aus nicht mehr genießbarer Milch, die ansonsten vernichtet werden würde, eine Biopolymerfaser hergestellt. Die industrielle Biotechnologie hat sich als Wachstumssegment herauskristallisiert, das während der letzten fünf Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen hat (IBISWorld Branchenreport M72.11DE).

Außerdem hat sich nachhaltige bzw. grüne Chemie bei der Produktion von Wasch- und Reinigungsmitteln etabliert. Chemische Zusätze wie Tenside ermöglichen als grenzflächenaktive Substanzen zwar eine effiziente Reinigung, schaden jedoch der Umwelt, insbesondere der Wasserqualität und der Gesundheit. Einige Reinigungsmittelproduzenten versuchen daher verstärkt, umweltfreundliche Rezepturen zu entwickeln. Die Firma Remsgold  ist beispielsweise mit ihrem Schwesterunternehmen AlmaWin  und dessen Marken AlmaWin und Klar in der Ökobranche vertreten. Im Produktportfolio befinden sich innovative, Greenlife TM -zertifizierte Reinigungsprodukte aus natürlichen Zutaten wie unter anderem Waschnuss-Waschmittel und Orangenölreiniger. Überdies verwendet das Herstellungsunternehmen Produktverpackungen, die zu 95 % aus Recycling-Kunststoff bestehen (IBISWorld Branchenreport C20.41DE).

Aufgrund des gestiegenen Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins lässt sich außerdem ein deutlicher Trend zur Naturkosmetik verzeichnen. Innerhalb der letzten Jahre hat sich der deutsche Naturkosmetikmarkt zum größten Europas entwickelt (IBISWorld Branchenreport G47.75DE). Bei der Herstellung von Kosmetika werden immer häufiger natürliche Inhaltsstoffe verwendet, die frei von Parabenen, Farbstoffen, Parfum und Alkohol sind und nicht-komedogene Eigenschaften aufweisen. Komedogene Inhaltsstoffe hingegen stehen unter dem Verdacht, Unreinheiten und Entzündungen der Haut zu fördern, obgleich sie paradoxerweise oftmals in Reinigungs- und Pflegeprodukten enthalten sind, die speziell der Bekämpfung von unreiner Haut dienen (IBISWorld Branchenreport C20.42DE). Zudem lassen sich Bemühungen der Kosmetikindustrie erkennen, die darauf abzielen, weniger Mikroplastik in Kosmetikartikeln zu verwenden und den Kunststoffanteil ihrer Verpackungen zu reduzieren. Die Verwendung bzw. insbesondere die Entsorgung von Kosmetikartikeln, die Mikroplastik enthalten, belastet die Umwelt durch Wasserverunreinigungen und gefährdet somit letztlich die Gesundheit von Mensch und Tier (IBISWorld Branchenreport G47.75DE).

 

In den kommenden Jahren werden besonders die Hersteller aus der Bekleidungs-, Schönheitspflege- und Haushaltspflegebranche zunehmend von innovativen Technologien und Anwendungen Gebrauch machen. Fertigungsunternehmen, die auch Elemente des Smart-Factory -Konzepts adaptieren, dürften dabei von Kosteneinsparungen dank eines effizienteren Ressourceneinsatzes sowie von Produktivitätssteigerungen profitieren. Zugleich wird durch energie- bzw. ressourcenschonende Prozessabläufe eine umweltfreundlichere Produktion ermöglicht. Im Allgemeinen werden daher über die nächsten fünf Jahre das Nachhaltigkeitsbewusstsein (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Umweltbewusstsein) sowie die Ausgaben für technologische Innovationen weiter steigen (IBISWorld Einflussfaktoranalysen Forschungs- und Entwicklungsausgaben privatwirtschaftlicher Unternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Staates und privater Institutionen).

 

 

 

In diesem Bericht erwähnte Branchen:

C14.00DE – Herstellung von Bekleidung

C20.41DE – Herstellung von Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Poliermitteln

C20.42DE – Herstellung von Körperpflegemitteln und Duftstoffen

G47.75DE – Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen und Körperpflegemitteln

M72.11DE – Forschung und Entwicklung im Bereich Biotechnologie

 

In diesem Bericht erwähnte Einflussfaktoren:

Einflussfaktoranalyse Umweltbewusstsein

Einflussfaktoranalyse Forschungs- und Entwicklungsausgaben privatwirtschaftlicher Unternehmen

Einflussfaktoranalyse Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Staates und privater Institutionen