Germany / Analyst Insights
Ernährung – schnell, lecker, gesund
by Melanie Katz
Sep 24 2019

Convenience-Produkte liegen aufgrund des zunehmenden Zeitmangels im Trend

 

Schnell soll es gehen. Das ist neben Geschmack und Qualität die Hauptforderung, die immer mehr Verbraucher an ihre Nahrungsmittel stellen. Grund dafür ist die zunehmende Zeitknappheit, welche die Konsumenten dazu veranlasst, zugunsten ihrer Freizeit auf die zeitaufwändige Zubereitung von Mahlzeiten zu verzichten. Der Zeitmangel sowie die wachsende Anzahl der Ein-Personen-Haushalte (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Haushalte) sorgen für eine steigende Nachfrage nach schnell zubereitbaren und verzehrfertigen Produkten. Dadurch nimmt sowohl die Nachfrage als auch das Angebot an Convenience-Produkten im Einzelhandel zu. Auch Restaurants und Schnellimbisse profitieren davon, dass die Bereitschaft der Verbraucher, viel Zeit in die Zubereitung der Mahlzeiten zu investieren, immer geringer wird.

 

Bei Convenience-Produkten im Lebensmittelbereich gibt es laut dem Bundeszentrum für Ernährung fünf Fertigungsstufen, die jeweils für verschiedene Grade der Vorbereitung stehen. Während küchenfertige Produkte vor dem Garen noch zubereitet werden müssen, können Teigwaren, Tiefkühlgemüse und andere garfertige Produkte sofort gekocht, gebacken oder gebraten werden. Aufbereitfertige Lebensmittel wie Instantsuppen müssen nur noch mit einer weiteren Zutat gemischt und regenerierfertige Produkte müssen vor dem Verzehr lediglich erwärmt werden. Auf der höchsten Fertigungsstufe stehen verzehr- bzw. tischfertige Nahrungsmittel, wie fertige Salatmischungen, Smoothies oder Obstkonserven, die sofort verzehrt werden können.

 

Der Lebensmitteleinzelhandel machte sich bereits in den vergangenen Jahren die zunehmende Popularität dieser Fertiggerichte und vor allem der verzehrfertigen Produkte zu Nutze. Supermarktketten und Discounter (IBISWorld Branchenreport G47.11DE) vergrößern kontinuierlich ihr Angebot an verzehrfertigen Produkten und Rewe hat in Kooperation mit Aral-Tankstellen (IBISWorld Branchenreport G47.30DE) sogar ein Ladenkonzept entwickelt, das auf den Verkauf von Snacks und Fertiggerichten spezialisiert ist. Dieses Konzept wurde bereits erfolgreich an 21 Standorten in Innenstädten und an Bahnhöfen sowie in über 500 Aral-Tankstellenshops integriert. Das Geschäftskonzept wurde gut angenommen und weitere Filialen sind in Planung. Um auch seine Großhandelskompetenzen im Bereich der Convenience-Produkte auszuweiten, plant Rewe außerdem die Übernahme des Nahrungsmittelgroßhändlers Lekkerland (IBISWorld Branchenreport G46.39DE). Da diese Übernahme allerdings das Machtverhältnis in Preisverhandlungen mit den Herstellern deutlich zugunsten von Rewe und Lekkerland verschieben könnte, wird die Fusion dieser Einzel- und Großhändler derzeit noch vom Bundeskartellamt geprüft. Auch die Hersteller haben ihre Produktpalette sowie die Art und Größe ihrer Verpackungen an die sich veränderten Ansprüche der Verbraucher angepasst. Hersteller von Fertiggerichten, Tiefkühlkost, Obst- und Gemüseprodukten sowie Teig- und Backwaren (IBISWorld Branchenreporte C10.85DE, C10.31DE, C10.73DE, C10.71DE, C10.72DE) stellen immer mehr schnell zubereitbare und verzehrfertige Produkte her und achten dabei darauf, auch kleine Verpackungsgrößen und einfach zu portionierende Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen.

 

Von der Zeitknappheit und dem parallel dazu steigenden Haushaltsnettoeinkommen (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Monatliches Haushaltsnettoeinkommen) profitierten in den vergangenen Jahren auch Imbissstuben (IBISWorld Branchenreport I56.13DE) Restaurants (IBISWorld Branchenreporte I56.11DE, I56.12DE) und Cafés (IBISWorld Branchenreport I56.14DE). Durch die zunehmende Anzahl der Konsumenten, die regelmäßig auswärts essen oder sich ihr Essen von den Restaurants direkt oder über einen Drittanbieter liefern lassen, konnte die Gastronomiebranche ihre Umsätze in den letzten fünf Jahren deutlich steigern. Immer mehr Convenience-Produkte halten dabei auch Einzug in die Großküchen. Eine treibende Kraft hinter diesem Trend ist das wachsende Angebot an Fertigprodukten für die Gastronomie sowie der Fachkräftemangel dieses Wirtschaftszweigs.

 

 

 

Bereits heute sind 80 bis 90 % aller vom Endverbraucher konsumierten Lebensmittel auf irgendeine Art und Weise vorbereitet. Da die Zeitknappheit auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Alltag und damit auch im Ernährungsbereich spielen wird, ist damit zu rechnen, dass sowohl die Nachfrage nach Convenience-Produkten sowie das Angebot an vorbereiteten und verzehrfertigen Produkten der Hersteller, Groß- und Einzelhändler weiter zunehmen wird. Da außerdem immer mehr Verbraucher auf eine gesunde Ernährung (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Gesundheitsbewusstsein) Wert legen, werden voraussichtlich auch immer mehr gesunde Fertigprodukte hergestellt werden, was ein großes Wachstumspotenzial für die Akteure im Bereich der Herstellung und des Handels mit vorbereiteten und verzehrfertigen Lebensmitteln darstellt.

 

 

In diesem Bericht erwähnte Branchen:

C10.31DE – Kartoffelverarbeitung

C10.71DE – Herstellung von Backwaren (ohne Dauerbackwaren)

C10.72DE – Herstellung von Dauerbackwaren

C10.73DE – Herstellung von Teigwaren

C10.85DE – Herstellung von Fertiggerichten

G46.39DE – Großhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren, ohne ausgeprägten Schwerpunkt

G47.11DE – Supermärkte und Discounter

G47.30DE – Einzelhandel mit Motorkraftstoffen (Tankstellen)

I56.11DE – Restaurants mit herkömmlicher Bedienung

I56.12DE – Restaurants mit Selbstbedienung

I56.13DE - Imbissstuben

I56.14DE – Cafés und Eissalons

 

In diesem Bericht erwähnte Einflussfaktoren:

Einflussfaktoranalyse Haushalte

Einflussfaktoranalyse Gesundheitsbewusstsein