Germany / Analyst Insights
Avoid Waste
by Sarah Goehre
Jul 02 2019

Wie das Konzept der Kreislaufwirtschaft Nachhaltigkeit in der Praxis fördert

 

Konzepte des nachhaltigen Wirtschaftens sind im Laufe der vergangenen Jahre immer deutlicher in den Mittelpunkt des gesellschaftspolitischen Interesses gerückt. Das Ideal der Circular Economy, der sogenannten Kreislaufwirtschaft, kommt gänzlich ohne Abfall aus. Solch eine globale Handels- und Lieferkette würde keine endlichen Ressourcen verbrauchen, sondern diese regenerieren und Güter reparieren und aufbereiten, um sie wiederzuverwenden. Im Folgenden wird auf selektierte Branchen eingegangen, in denen Recyclingaktivitäten eine wichtige Rolle spielen.

 

 

Der von IBISWorld errechnete Umweltbewusstseinsindex bildet das Bewusstsein für die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland ab (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Umweltbewusstsein). Dieser berücksichtigt zusätzlich zum politischen Stellenwert des Umwelt- bzw. Klimaschutzes auch das Konsumverhalten privater Haushalte, die staatlichen und privatwirtschaftlichen Ausgaben für den Umweltschutz sowie die allgemeine nationale Luftverschmutzung. Während der vergangenen fünf Jahre hat das Umweltbewusstsein um durchschnittlich 2 % pro Jahr zugenommen, insbesondere bei privaten Haushalten. So ist die Recyclingquote seit 2014 um durchschnittlich 1 % pro Jahr gestiegen und dürfte 2019 rund 69 % betragen (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Recyclingquote). Über die kommenden fünf Jahre wird das Umweltbewusstsein in Deutschland voraussichtlich mit einer durchschnittlichen, jährlichen Wachstumsrate von 1,2 % weiter steigen. Dies dürfte vor allem auf eine höhere Wiederverwertbarkeit von Abfällen und Abwässern und damit zu einer besseren Schließung von Wertstoffkreisläufen aufgrund technologischer Innovationen zurückzuführen sein. Zudem dürften die Energieproduktivität, der Anteil der regenerativen Energien an der Elektrizitätserzeugung (IBISWorld Branchenreport D35.10DE und Einflussfaktoranalyse Stromerzeugung durch erneuerbare Energien), die Ökostromquote (IBISWorld Einflussfaktoranalyse Ökostromquote) sowie regulatorische Verkehrseinschränkungen wie Fahrverbote in Großstädten und die Ausweitung der Lkw-Maut zur Verminderung der Luftverschmutzung bis 2024 weiter zunehmen.

 

 

Am 27. März 2019 einigte sich das Europäische Parlament auf das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verbot von Einwegplastikprodukten wie Kunststoffbesteck, Kunststoffstrohhalmen, Wattestäbchen aus Kunststoff, oxo-degradierbaren Kunststoffen, Lebensmittelbehältern und Ähnlichem. Dieses umfassende Plastikverbot soll ab 2021 gelten.

In Deutschland zeigt sich seit einigen Jahren bereits ein positiver Trend zur Senkung des Plastiktütenverbrauchs, der bereits jetzt deutlich über den EU-Zielen liegt, die einen maximalen Verbrauch von 90 Plastiktüten pro Person bis Ende 2019 bzw. 40 Plastiktüten pro Person im Jahr 2025 vorsehen. Viele deutsche Händler, insbesondere Supermarkt- und Discounterketten (IBISWorld Branchenreport G47.11DE), beteiligen sich seit der Einführung der Selbstverpflichtung zum 1. Juli 2016 an dieser, indem sie Plastiktüten nur noch kostenpflichtig oder oftmals sogar überhaupt nicht mehr an den Kassenzonen anbieten. Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zufolge ist der Plastiktütenverbrauch in Deutschland im Jahr 2017 erneut signifikant zurückgegangen, und zwar um 1,3 Milliarden Stück im Vergleich zum Vorjahr. Die größte absolute Reduzierung der Anzahl von verkauften Kunststofftragetaschen fand zwischen den Jahren 2015 und 2016 um 1,9 Milliarden Tüten statt, was einer Veränderung des Pro-Kopf-Plastiktütenverbrauchs von 68 Tüten zu 45 Tüten pro Kopf und Jahr entspricht.

 

 

Insbesondere das verarbeitende Gewerbe betreibt zunehmend Recycling- bzw. Upcycling-Aktivitäten aus Kostengründen und Gründen des Umweltschutzes. Auf regulatorischer Ebene werden Unternehmen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz, Verpackungsgesetz, Elektro- und Elektronikgerätegesetz und der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft als erste allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz zu nachhaltigerem Wirtschaften angehalten (IBISWorld Branchenreporte E38.10DE, E38.20DE, E38.30DE). Vor allem Herstellungsunternehmen von Verpackungsmitteln sehen sich zunehmend unter Druck, nachhaltigere Verpackungen zu produzieren. Die Papier-Mettler KG recycelt zum Beispiel bereits seit 1992 Kunststoff, seit 2012 wurde ein zweites Kunststoffrecyclingwerk in Betrieb genommen (IBISWorld Branchenreport C22.22DE). Überdies wird aufgrund des erwarteten Anstiegs der Rohstoffpreise die Nachfrage nach Altpapier voraussichtlich weiter steigen. IBISWorld rechnet daher mit einem leichten Anstieg des Altpapiereinsatzquotienten und einer damit verbundenen Kostenreduzierung in der Produktion. Papier-, Karton- und Papperzeuger engagieren sich bereits in der Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich Recycling von Altpapier, um eine höhere Wiederverwertungsquote zu erreichen. Beispielsweise konzentriert sich der Geschäftsbereich Palm Recycling der Palm-Gruppe auf die Altpapierbeschaffung, da Palm seit der Unternehmensgründung 1872 ausschließlich recycelten Rohstoff zur Papierproduktion verwendet. Die Mayr-Melnhof-Gruppe gehört zudem zu den weltweit führenden Produzenten von Recyclingkarton (IBISWorld Branchenreporte C17.12DE und C17.21DE). Auch in nachgelagerten Branchen wie beispielsweise bei Abfüll- und Verpackungsdienstleistern bilden Papierverpackungen das größte Produktsegment der Branche, da diese im Vergleich zu anderen Verpackungsstoffen am einfachsten recycelt werden können. Um allerdings den immer strenger werdenden und seitens der Kunden auch gewünschten hygienischen Anforderungen zu genügen, wird der Papierverpackungsstoff vermehrt mit Kunststoffverpackungen kombiniert, die verstärkt auch aus recyceltem Kunststoff bestehen (IBISWorld Branchenreport N82.92DE).

 

 

Diese Entwicklungen im Bereich Recycling verdeutlichen den zunehmenden Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften zur Schließung von Rohstoffkreisläufen. Auch in den kommenden Jahren dürften fortschreitende Nachhaltigkeitsbemühungen zu verzeichnen sein. Insbesondere das EU-Plastikverbot wird auf alle möglichen Herstellungsbranchen und nachgelagert letztlich auch auf Handels- und Verbraucherebene maßgebliche Auswirkungen haben.

 

 

 

In diesem Bericht erwähnte Branchen:

C17.12DE – Herstellung von Papier, Karton und Pappe

C17.21DE – Herstellung von Wellpapier und -pappe sowie darauf basierenden Verpackungsmitteln

C22.22DE – Herstellung von Verpackungsmitteln aus Kunststoffen

D35.10DE – Elektrizitätsversorgung

G47.11DE – Supermärkte und Discounter

E38.10DE – Sammlung von Abfällen

E38.20DE – Abfallbehandlung und -beseitigung

E38.30DE – Recycling und Verschrottung

N82.92DE – Abfüllen und Verpacken

 

In diesem Bericht erwähnte Einflussfaktoren:

Einflussfaktoranalyse Ökostromquote

Einflussfaktoranalyse Recyclingquote

Einflussfaktoranalyse Stromerzeugung durch erneuerbare Energien

Einflussfaktoranalyse Umweltbewusstsein